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© Bernd Cierpiol

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Fotografie, Kosten und Bildnutzung

Jeder, der nicht gerade in der Medienwelt zu Hause ist und ein wenig über die Preise für ein Fotoshooting recherchiert, wird sich vielleicht über die hohe Preisspannen wundern. Überspitzt gesagt, kann ein kurzes Portraitshooting bei der Fotokette in der City 50 Euro kosten während Auftrags-Fotografen dafür 250 Euro und mehr nehmen.

Es ist ein wenig, wie beim Autokauf. Was darf es denn sein? Es gibt verschiedenste Klassen und Ausstattungsmerkmale, so wie es verschiedenen Kundenwünsche gibt. Daher ist ein einheitlicher Preis nur möglich, wenn das Shooting standardisiert ist. Standardisierte Shootings bekommen Sie bei der Fotokette recht günstig, wenn sie einfach nur ein paar Fotos von sich brauchen. Wenn Ihre Ansprüche höher liegen, sollten Sie sich an einen Auftragsfotografen wenden. Er wird Sie anhand Ihrer Wünsche entsprechend beraten und Ihnen ein individuelles Angebot machen. Jeder Kunde hat andere Wünsche. Deshalb kann es keine festgelegten Preis geben. Dennoch werden Sie als Kunde feststellen, dass auch bei den Auftragsfotografen die Preisspanne erheblich ist. Dies hat folgende Gründe.

Warum sind die Preise für Fotos so unterschiedlich?

Seit 2004 ist Fotograf kein geschützter Beruf mehr. Das hat die damalige Rot/Grüne-Regierung zu verantworten. Es darf sich seitdem jeder, der will, Fotograf nennen, ohne eine Ausbildung nachzuweisen.

Da heute Digitalkameras in guter Qualität für jeden zu haben sind und die Technik es zumindest anscheinend zulässt, auch ohne Fachkenntnisse brauchbare Ergebnisse zu erzielen, gibt es eine Unzahl von Amateuren, die sich auf dem Markt tummeln, Angebote abgeben und für niedrigste Preise arbeiten, denn Sie müssen weder von dem Beruf leben noch dieses Geschäft wirtschaftlich betreiben.

Was unterscheidet einen Profi von einem Amateur?

In erster Linie die Ausbildung. Fragen Sie den Fotografen, den Sie beauftragen wollen, schlicht nach seiner Qualifikation. Das ist der sicherste Weg sich der Professionalität zu versichern. Üblicherweise finden Sie solche Angaben bereits in seinen Kontaktdaten. Wenn Ihnen dann noch sein Portfolio gefällt, sind Sie auf der sicheren Seite.

"Richtige" Fotografen haben ihren Beruf gelernt, entweder in der Lehre oder im Studium. Die Studierten unterscheiden sich von den gelernten am ehesten durch ihren eher künstlerischen Blick auf die Fotografie, während die gelernten eher auf das schlicht handwerkliche "geeicht" sind. Anders gesagt, brauchen Sie ein gutes Bewerbungsfoto, sind sie bei einem Fotografenmeister sehr gut aufgehoben, wenn Sie eine außergewöhnliche Portraitserie haben möchten, würde sich tendenziell eher ein studierter Fotograf mit Diplom, bzw. Master-Titel empfehlen.

Alle Genannten haben ein entsprechenden Abschluss erworben und viele Jahre ihres Lebens dafür verwendet, zu lernen (bevor sie auf die Menschheit losgelassen wurden). Sie kennen die Arbeitsprozesse, arbeiten mit professionellem Gerät und Backups, sind mit anderen professionellen Dienstleistern, wie z.B. Visagisten oder Modellagenturen vernetzt. Sie beherrschen die Technik und nicht umgekehrt und können Ihnen sprichwörtlich auf Knopfdruck ein sauberes und gutes Ergebnis liefern, können Sie ausführlich beraten und sind immer für Sie ansprechbar, außerdem haben sie eine Umsatzsteuer-ID (Nicht zu verwechseln mit der Steuernummer) und entsprechende Geschäftspapiere, eine AGB, ein professionelles Geschäftsgebahren, ein eindeutiges Impressum.

Sagen wir es mal so: Wenn man sich ein Auto für ein paar Euro vom nächsten Teppichhändler kauft, darf man nicht unbedingt erwarten, damit allzu weit zu kommen. Allein deshalb sollten Sie einen Profi buchen und keinen Amateur.


Mir gehören doch alle Bilder, wenn ich den Fotografen bezahle!

Im Normalfall vergibt der Fotograf nur Nutzungsrechte an den Fotos. Viele wissen darüber nicht Bescheid und wundern sich darüber: "Wieso? Ich habe doch für die Bilder bezahlt. Die gehören doch jetzt mir und ich kann damit machen, was ich möchte."

Leider ist dies ein weit verbreiteter Irrtum, denn Fotografie ist genauso wie Musik, Literatur oder Film, eine geistige Leistung, die aufgrund Ihrer Art vielseitig verwendet werden kann. Deshalb ist dieses geistige Eigentum geschützt und der Künstler wird an der Wertschöpfungskette durch die Vergabe von Nutzungsrechten entsprechend beteiligt.

Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Angenommen eine Firma bucht einen Fotografen für ein Eventshooting für 5 Stunden und geht davon aus, dass sie über die Bilder beliebig verfügen kann. Das Shooting kostet z.B. 750 Euro. Es werden insgesamt 400 Bilder gemacht wovon 250 Bilder durch den Fotografen ausgewählt und bearbeitet werden. Dafür braucht der Fotograf insgesamt etwa 10 h Arbeitszeit. Hätte die Fa. nun alle Rechte an den Bildern, würde der Fotograf pro Bild nur 3 Euro verdienen und die Bilder könnten überall und immer veröffentlicht werden, z.B. auch in der Werbung. Dies würde den Fotografen hinsichtlich der Wertschöpfung seiner Arbeit sehr benachteiligen. Üblicherweise wird der Fotograf daher Nutzungsrechte vergeben. Im Falle des Eventshootings dürfte die interne Verwendung für alle Bilder gelten, da ein Event eher einen firmeninternen Charakter hat, als dass damit Werbung betrieben werden dürfte. Möchte die Firma dennoch einzelne Bilder kommerziell verwenden, so können für diese Bilder entsprechende Nutzungen vereinbart werden, die gesondert honoriert werden, damit der Fotograf an der Wertschöpfung durch diese Bilder teilhaben kann. Dies ist ein ganz normaler Vorgang, der in jedem Verlag, in der Musik- oder Filmindustrie, in Softwarefirmen, überall wo geistige Arbeit verkauft wird, stattfindet.

Kauft jemand eine Musik-CD, so darf er diese nicht einfach auf Veranstaltungen öffentlich aufführen oder auf seiner Firmenseite verwenden, er muss dafür die Nutzungen/Lizenzen erwerben. Musik ist geistiges Eigentum und wird lizenziert. Software wird auch lizenziert, weil sie geistiges Eigentum ist. Filme ebenso und Patente. Fotos gehören auch dazu, Gemälde und alle Kunst, ohne Ausnahme.

Nutzungsrechte

Man unterscheidet bei den Lizenzierungen/Nutzungen nach "Inhaltlich", d.h. nach Medium wie z.B. Website oder Print, "räumlich", also der geographischen Verbreitung und "zeitlich" also der Dauer wie lange ein Bild veröffentlicht werden darf, sowie nach "beschränkt" (nicht exklusiv) oder "unbeschränkt" (exklusiv), sowie auch nach Abbildungsgröße oder Titelseite, Header, Unterseite, etc. Ein sogenannter "Buyout" beinhaltet alle Rechte, wobei sich der Fotograf dann meist das Recht sichern wird, die Bilder für sein Portfolio zu nutzen.

Wie bereits erwähnt, gehen viele Kunden, die das Metier nicht so gut kennen und manchmal leider auch solche, die es eigentlich kennen müssten, unwissentlich oder auch wissentlich von einem Buyout aus. Ein Buyout ist die teuerste Lösung und beinhaltet einen sehr hohen Aufschlag.

Bei etwas Nachdenken ist es auch nachvollziehbar, dass es eher selten vorkommt, dass man das Bild für alle Medien, alle Zeit und auf der ganzen Welt nutzen möchte. Dies ist nur bei global angelegten Werbekampagnen der Fall, und wie erwähnt, die kostenintensivste Lösung, weil die Wertschöpfung entsprechend hoch angesetzt werden muss.

Der professionelle Fotograf wird vom Kunden die Informationen abfragen wollen, die für die sinnvolle Nutzung der Bilder notwendig sind und danach einen Preis kalkulieren. Dies liegt im Interesse des Kunden und des Fotografen, der dem Kunden natürlich einen marktgerechten Preis mitteilen möchte, der für die Zwecke des Kunden sinnvoll ist.

Was marktgerecht ist, lässt sich anhand der MFM-Liste sehen, die in der Medienbranche üblicherweise zur Anwendung kommt und die Durchschnittspreise der verschiedenen Nutzungen darstellt. Sie ist über die BVPA (Bundesverband professioneller Bildanbieter) erhältlich: https://bvpa.org/bildhonorare/

Nutzung auf Social Media

Die Social Media Kanäle sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Sache hat leider einen sehr großen Haken. Mit dem Upload der Bilder überträgt man Dritten, wie z.B. Facebook, umfangreiche Rechte an den Bildern, inklusive das der Unterlizenzierung. Das steht in den Nutzungsbedingungen von Facebook. Ein Bild das auf Facebook hochgeladen wurde, ist öffentlich gemacht worden, es ist nicht mehr privat - auch wenn es sich vielleicht so anfühlt. 

Urhebernachweis

Ein sehr wichtiges Thema für den Fotografen ist der sogenannte Urhebernachweis nach §13 UrhG. Jeder Künstler hat das Recht auf Namensnennung unmittelbar an seinem Werk. Der Veröffentlicher ist zu diesem Nachweis verpflichtet. Leider wird das oft vergessen oder manchmal auch schlicht ignoriert. Üblicherweise wird kein Fotograf auf seine Namensnennung am Bild verzichten, weil es für ihn ein wesentlicher Aspekt ist, Aufträge zu generieren und gegenüber Verwertungsgesellschaften wie der VG Bild Kunst (quasi die GEMA für bildende Künstler) ein Nachweis seiner Veröffentlichungen, aus denen er jährlich (geringe) Ausschüttungen aus Kopierabgaben, etc. erhält, nachzuweisen. 


  • Über Fotografie und den ganzen Rest

    Hier finden Sie kleine Geschichten und Abhandlungen über Fotografie und wie ich sie sehe und benutze. Diese Seite ist im Aufbau und wir kontinuierlich weitergeführt, neudeutsch: Ein Blog. Viel Spaß bei Lesen und Schauen! Bernd Cierpiol